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Interview mit Joe Abercrombie

Heute zu Gast im Feuerbachblog: Joe Abercrombie , britischer Autor der "First Law Trilogie": The Blade Itself, Before They Are Hanged und Last Argument of Kings, so wie des allein stehenden Romans Best Served Cold.

In Deutschland erschienen Abercrombies Bücher als KriegsklingenFeuerklingen, Königsklingen und Racheklingen im Heyne Verlag.

 

Calla: Gut, fangen wir gleich richtig an: Warum eigentlich müssen all deine Hauptcharaktere, wie Sand dan Glokta, Logen Ninefingers und Monzcarro Murcatto rachsüchtige Krüppel sein? Sicherlich sucht kein Leser ernsthaft den Held in strahlender Rüstung unter deinen Akteuren, aber musste das Schicksal (und Du) wirklich jeden einzelnen von ihnen zu tief verletzten Irren machen?

Abercrombie: Nun, ich war wohl nicht dazu gezwungen, aber die Fantasy welche ich als Jugendlicher gerne las, neigte dazu voll von gesunden und kräftigen Sozialdenkern mit einem Hang zur Weltenrettung zu sein. Also wollte ich einmal die andere Seite der Medallie betrachten: die mental und physisch Verletzten, die Selbstsüchtigen, die Gefährlichen, die Obsessiven so wie die Wahnsinnigen. Besonders da Fantasy gemeinhin recht häufig voll ist von eher düsteren Aspekten, wie Gewalt, Krieg, Folter und dem schlicht Bösen – jedoch kommen die Charaktere da gemeinhin irgendwie immer wieder sauber raus.

Ganz generell finde ich finstere, konfliktreiche Personen einfach interessanter. Saruman und Boromir weckten in mir mehr Interesse als Gandalf und Aragorn, wenn Du es so willst. Aber mal ganz ehrlich, nicht alle meine Charaktere sind Psychopathen oder Krüppel. Jezal ist ein egozentrischer Idiot, aber hübsch. Friendly ist eher Authist als Psychopath und weitesgehend uninteressiert an dem Thema Rache. Major West ist fürchterlich aufbrausend und schlägt seine Schwester, ansonsten ist er jedoch gut angepasst.

Da gibt es doch eine große Bandbreite, also ehrlich...


C: Du hast einmal über Dich selbst gesagt, dass Du Jemand bist, für den "ein abgebrochener Fingernagel ein Grund für einen Arztbesuch" sei.

Wenn Du nun (z.B. Durch einen tragisch-magischen Unfall) dazu gezwungen wärest, für sagen wir einmal ein ganzes Jahr, in einem Deiner Bücher zu leben – Wer oder was möchtest Du dann sein? Es sieht ja so aus, als ob dort selbst der unscheinbarste kleine Bankangestellte in ständiger Gefahr lebt, sein Leben auf eine gruselige Weise zu verlieren...

A: Das Leben ist wirklich gewalttätig, brutal und kurz in meiner Welt...  Ich denke, ich wäre also gerne ein "Eater". Langes Leben, magische Kräfte - und alles was Du dafür tun musst, ist Menschen zu essen. Was sollte daran falsch sein?

 

C: Du hast doch als selbstständiger Filmeditor gearbeitet. Wen würdest Du damit betrauen, aus Deinen Büchern Filme zu machen? Angenommen natürlich, Du könntest vollkommen frei wählen.

A: Ganz ehrlich denke ich, dass ich jedem dem das Buch genügend gefallen hat um selbst an einem solchen Projekt beteiligt sein zu wollen, damit betrauen würde. Das wäre allerdings keineswegs eine einfache Sache. Meiner Meinung nach muss man sich als Autor jedes Mal wenn man irgendwelche Rechte am eigenen Buch verkauft, sei es für ein Hörbuch, ein Comic, einen Film oder was auch immer, etwas zurück halten und darauf vertrauen, dass die jeweiligen Profis das Buch auf eine einfühlsame Weise adaptieren werden.

Aber wenn ich einen Regisseur wählen könnte, nähme ich wahrscheinlich Peter Jackson. Ich mochte "Bad Taste" und "Braindead" sehr gerne, denke aber, dass er noch nicht so weit ist, es mit einer schwergewichtige Fantasy-Trilogie auf zu nehmen.


C: The Blade Itself war das allererste, was Du überhaupt geschrieben hast. Wie konntest Du einen ernst zu nehmenden Verleger dazu überreden, es zu kaufen?

A: Auf die übliche Art und Weise. Nämlich Glück, hauptsächlich. Aber je mehr Menschen Du das Manuskript zeigst, desto höher ist die Chance, dass das Glück Dich findet.

Als ich mit The Blade Itself fertig war, begann ich damit, es britischen Verlagen zu schicken die sich auf Fantasy spezialisiert hatten, und stellte bald eine hübsche Sammlung von unpersönlichen, fotokopierten Ablehnungsschreiben zusammen. Nach ungefähr sechs Monaten fühlte ich mich doch langsam etwas niedergeschlagen.

Dann war zufällig ein befreundeter Sachbuchverleger mit Gillian Redfearn, die zu der Zeit gerade bei Gollancz angefangen hatte, auf einer Fortbildung. Er überredete sie dazu, sich etwas von meinem Text anzusehen, sie mochte es und wollte auch den Rest lesen. Innerhalb einer Woche hatte ich ein Angebot vorliegen. Danach einen Agenten zu finden war erstaunlich einfach...


C.: Dein nächstes Buch, welches hoffentlich im Februar 2011 erscheint, soll The Heroes heißen und von "den Abenteuern sechs Personen unterschiedlichen Ranges zweier gegnerischen Seiten handeln, deren Pfade sich im Verlaufe des Kampfes auf schicksalshafte, schreckliche, wunderbare, erstaunlich gewalttätige, erstaunlich ungewalttätige und amüsante Art und Weise kreuzen".

Inwiefern wird diese Geschichte etwas vollkommen anderes als ihre Vorgänger?


A: Na ja, es wird schon Ähnlichkeiten geben. Ich tendiere dazu anzunehmen, dass man mit jedem Buch versuchen sollte, etwas ein wenig anderes zu schaffen – aber nicht zu anders. Man sollte dem Leser, dem die vorherigen Bücher gefallen haben, noch ein wenig mehr von dem geben, das ihm gefiel. Also beinhaltet The Heroes hoffentlich die gleiche Mischung aus Humor und Gewalt, unverhersehbaren Ereignissen, lebendigen Charakteren und lebendiger Action über die auch schon die vorangegangenen Bücher verfügten. Aber The Heroes ist grundsätzlich die Geschichte einer einzigen Schlacht, also findet das meiste davon an drei Tagen statt – alles zeitlich und räumlich sehr fokusiert.

Die Idee dahinter ist, das Gefühl einer epischen Schlacht zu vermitteln, ohne dabei die individuellen Charaktere darin zu vergessen, oder die Art in welcher kleine Aktionen, Entschlüsse und Fehler große Konsequenzen nach sich ziehen können außer Acht zu lassen.


C: Lass uns einmal annehmen, dass eines Tages Deine dann zum Teeanager herangewachsene Tochter auf Deiner Couch sitzt und Dir eröffnet, dass sie Deine Bücher gelesen hat. Sie haben ihr wirklich gut gefallen, da sie ihrer Meinung nach die Wahrheit über die Welt in der wir leben wiederspiegeln: Menschen lernen nicht aus ihren Fehlern, Dinge werden mit der Zeit nicht besser, man kann nicht auf die wahre Liebe hoffen weil es diese nicht gibt, und das beste was man tun kann ist für sich allein zu kämpfen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wie reagierst Du?

A: Ich sage: "Endlich, mein Schatz, hast Du die Wahrheit über das Leben erkannt und bist somit bereit, ein funktionierendes Mindglied unserer modernen kapitalistischen Gesellschaft zu werden."


C: King Rat, auch bekannt als Philip Weiss, hat ein Review über Before They Are Hanged geschrieben, in dem er Dich frauenfeindlich nennt. Er nimmt dabei Bezug auf die weiblichen Charaktere in Deiner Trilogie. Ist Monza in irgendeiner Weise eine Reaktion auf solcherlei Anschuldigungen?

A: Sobald deine Bücher von genügend Menschen gelesen werden, wird dir früher oder später alles mögliche unterstellt. Also halte ich zwar meine Augen und Ohren offen, versuche aber mir individuelle Meinungen nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen.

Wie ich vorhin schon sagte, probiere ich bis zu einem gewissen Grad immer wieder mal etwas neues aus. The First Law wurde ziemlich von männlichen Charakteren dominiert, also wollte ich mich mal an einer weiblichen Hauptperson versuchen. Weibliche Rachegeschichten haben eine lange Tradition, vor allem in italienisch beeinflussten Settings. Dazu kommt, dass es historische Beispiele für weibliche Söldneranführer gab. Somit fügten sich die Dinge fast von selbst zusammen.


C: Okay. Da wir jetzt das Ende unseres Interviews erreichen, lass uns einmal annehmen, dass es einen Menschen gäbe, der sich die Mühe machte, uns bis hierhin zu folgen, aber zugeben muss, Deine Bücher  nicht gelesen zu haben. Überzeuge diese Person, dass er (oder sie) genau das bereut!

A: Wenn du deine Fantasylektüre düster, realistisch, lustig, schrecklich und unbarmherzig magst, dann kannst du es dir einfach nicht leisten, meine Reihe zu verpassen. Du kannst mir vertrauen. Ich bin Autor...

C: Joe, ich danke Dir für diese interessante Gespräch und wünsche weitherhin viel Erfolg.

8.2.10 15:35
 
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